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17.15 - 19.15 | SOWI Innsbruck

WS1

Immunparameter im psychotherapeutischen Verlauf: Ein bio-psycho-soziales Forschungsdesign
Günter Schiepek

In einem bio-psycho-sozialen Verständnis des Menschen sind Prozesse unterschiedlicher Ebenen und Qualität synchronisiert: Kognitionen und Emotionen, Verhalten, interpersonelle Kommunikation, neuronale Prozesse, aber auch endokrine und immunologische Prozesse. Diese unterschiedlichen Systemebenen sind auf unterschiedlichen Zeitskalen aufeinander bezogen und koordiniert, wobei wir die genauen kausalen Prozesse und Mechanismen bisher nur bedingt kennen. Speziell Psychotherapie ist ein hochkomplexes Geschehen, in dem sich Musterwechsel in der Synchronisation von Systemebenen ereignen und auch messen lassen – es handelt sich um einen bio-psycho-sozialen Selbstorganisationsprozess. In einem Projekt zur Mehrebenen-Dynamik der Psychotherapie von Zwangsstörungen (N=17 Patienten) wurde versucht, die Dynamik unterschiedlicher Systemebenen zu erfassen: Tägliche Selbsteinschätzungen von Emotionen, Therapiemotivation, erlebtem Fortschritt, Problem- und Symptomintensität sowie der therapeutischen Beziehung führen zu Zeitreihen über den Therapieprozess hinweg (im Durchschnitt ca. 90 Messzeitpunkte), in welchen Musterwechsel (Phasenübergänge) und Frühindikatoren (precursors) solcher Übergänge identifizierbar sind. Im Abstand von etwa 3 Wochen wurden auch fMRT-Scans durchgeführt, die eine Veränderung von neuronalen Aktivierungsmustern erkennbar machen. Die Musterwechsel im Bereich der lokalen Hirnaktivierung (BOLD-Signal) lassen sich kombinieren mit der Veränderung effektiver Konnektivität (DCM) und funktioneller Konnektivität (functional connectivity dynamics) neuronaler Strukturen. Unmittelbar vor den fMRT-Scans wurde den Patienten Blut abgenommen, um unterschiedliche Endokrin- und Immunparameter zu messen: Serotonin, Dopamin und Cortisol. Speziell das Glucocorticoid Cortisol stellt eine Schnittstelle zwischen endokriner Stress- und Immunregulation dar. Als Immunparameter wurden TNFα, IL6 und IL10 erfasst. Schließlich stellt BDNF (brain-derived neurotropic factor) einen Marker der neuronalen Plastizität dar. Die Ergebnisse zeigen, dass und wie sich die Immundynamik im Laufe von Psychotherapie ändert und wie sich die dabei stattfindenden kognitiven und emotionalen Prozesse mit neuronaler Netzwerkdynamik und endokriner sowie immunologischer Systemdynamik koordiniert. Psychotherapie kann über die Veränderung von Emotionen, Kognitionen und Verhalten Einfluss auf neuro-immunologische und neuro-endokrine Dynamik nehmen.

WS2

 

Salutogenese im Zusammen-Spiel: Vom dialogischen Eigen-Sinn und Urvertrauen zur sozio-psychosomatischen Gesundheit (Vertiefung des Vortragsthemas)
Eckhard Schiffer

Die ersten Begegnungen im Zusammenspiel ereignen sich in den frühen dialogischen Lächelspielen. Schon hier zeigen sich in der Spiel-Gemeinschaft kindliche Eigenrhythmen  als  Vorläufer eines identitätsbedeutsamen  Eigen-Sinnes. Auch späterhin zeigen sich im Zusammenspiel von Kindern in der Spiel-Gemeinschaft deren Eigen-Sinnigkeiten. Daraus kann ein dynamisches Gleichgewicht von individueller Selbstgestaltungserfahrung und Gemeinschaftserleben entstehen. Dies ermöglicht die Entfaltung von einem Individual- wie auch Gruppenkohärenzgefühl. Diese theoretischen Aspekte sollen an Bildern aus  therapeutischer und pädagogischer Arbeit verdeutlicht werden. Es sollen dabei auch  einige psychoneurobiologische Facetten beleuchtet werden.

WS3

 

Das Denken der Psychoneuroimmunologie - fordert es ein Umdenken in der modernen Medizin / Psychotherapie?
Georg Gfäller

Ausgehend von der Geschichte der Einheit und der Trennung von Psyche und Soma wird überlegt, wie die von Einstein und Freud postulierte Nicht-Lokalität wesentlicher Prozesse wesentliches Umdenken in Forschung und Praxis erforderlich macht, um zur Selbigkeit dieser Prozesse zu kommen. Eingegangen wird auf Selbstheilungsprozesse, die Notwendigkeit der Reflexion der Arzt-Patienten-Beziehung und schließlich, auf allem aufbauend, zur nun erforderlichen neuen Gesundheitspolitik und den Aufgaben des Arztes in diesem Rahmen zu kommen, die Kritik an den deutschen Leitlinien eingeschlossen, in denen Krankheiten und nicht der kranke Mensch behandelt werden sollen.

WS4

 

Psychoneuroimmunologie, Epigenetik und Psychotherapie
Christian Schubert

Die Psychoneuroimmunologie (PNI) wendet sich mit ihren Untersuchungen immer mehr den Prozessen innerhalb des Zellkerns und damit der Epigenetik zu. Besonders die frühen Einflüsse auf Psyche und Stresssystem, die die Entstehung von Gesundheit und Krankheit im Laufe des Lebens entscheidend mitbestimmen, finden dabei Beachtung. Das Epigenom stellt die Brücke zwischen Anlage und Umwelt (nature/nurture) dar und eröffnet so neue Möglichkeiten für die psychosomatische  Psychodiagnostik und -therapie. So können einerseits vergangene psychische Einflüsse auf der molekularen Ebene besser verstanden werden. Andererseits sollte sich der Einfluss von Psychotherapie in seiner plastischen Wirkung auf das genetische Make-up des Stresssystems und damit verbundene Gesundungsprozesse individuell nachweisen lassen.

WS5

 

Lassen sich Nocebo-Reize in Placebo Effekte umwandeln? (Vertiefung des Vortragsthemas)
Hartmut Schröder

Informationen sowie Sprache und Kommunikation können als Stimuli wirkmächtig im Prozess der Gesundwerdung sein, aber Patientinnen und Patienten auch Schaden zufügen. Unbeabsichtigte negative Suggestionen sind allerdings vermeidbar, wenn der Wirkmechanismus den Beteiligten bekannt ist und unterbrochen wird. Dies ist möglich durch eine wohlgeformte Kommunikation, die jedwede Therapie sinnvoll begleiten kann. Eine solche Kommunikation funktioniert aber nicht wie ein monokausales Wirkmittel, sondern sie erfordert eine bewusste und klare Gestaltung aller Stimuli unter Berücksichtigung der Kontextfaktoren. Therapeutisch wirksame Kommunikation erfordert eine Passung in jedem einzelnen Fall und stellt den konkreten Menschen in den Mittelpunkt.

WS6

 

Eine Stressstudie starten: Wie mache ich das? Eine praktische Übung mit Haut und Haar
Eva Peters

WS8

 

Ausgewählte Forschungsthemen aus Psychoonkologie und Psychotherapie
Volker Tschuschke

Der Workshop schließt an den Vortrag an, stellt nochmals kurz die Kritikpunkte an der derzeitigen, methodisch defizitären Forschung in der Psychoonkologie und Psychotherapie vor, konzentriert sich dann aber auf alternative Möglichkeiten und stellt hierzu methodische Zugangswege im Detail vor.

WS9

 

Unklare Körperbeschwerden im Jugendalter als Ausdruck von Kommunikationsstörungen zwischen Jugendlichen, Eltern und Ärzten
Miriam Haagen

Die Frage, was körperlich und was seelisch ist, wirkt verunsichernd. Somatoforme Störungen, die häufig im Kindes- und Jugendalter beginnen, führen zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität nicht nur des Kindes, sondern auch der Eltern und mitunter der ganzen Familie. Das Bedürfnis körperliche Beschwerden und Symptome in seelisch oder körperlich verursacht einzuteilen kann mitunter insbesondere von den Eltern groß sein. Wiederholte Arztbesuche und für alle Seiten unbefriedigten Arzt/Therapeut-Patient-Interaktionen lassen Gefühle von Hilflosigkeit und Misstrauen sowohl aufseiten der Familie als auch aufseiten der Ärzte oder Psychotherapeut*innen entstehen. Im Workshop werden häufige Symptomkonstellationen im Jugendalter dargestellt. Die möglicherweise in den Körperbeschwerden ausgedrückte Dynamik soll verdeutlicht und Kommunikationsmöglichkeiten darüber erarbeitet werden. Beispiele der Teilnehmende sind erwünscht.

   

WS11

Psychoneuroimmunologische Aspekte sportlicher Aktivitäten
Karsten Krüger

Der Workshop beschäftigt sich mit dem Thema Entzündungen, deren Auswirkungen auf das Gehirn und das psychischen Wohlbefinden, sowie deren Interaktion mit einem aktiven Lebensstil. Dabei werden vor allem die präventiven und therapeutischen Möglichkeiten körperlicher Akitivität durch anti-entzündliche Effekte thematisiert. Die Ziele des Workshops liegen darin, Interaktionen des Immunsystems und des Gehirns besser zu verstehen. Gleichzeitig soll vor diesem Hintergrund kennengelernt werden, wie aktiv der Mensch eigentlich sein soll, um von den positiven Effekten des Sportes und der Bewegung immunologisch und damit auch psychisch zu profitieren.

WS12

Um Welten voraus - Die integrierte Medizin Thure von Uexkülls
Sven Eisenreich, Gisela Volck

Was ist Integrierte Medizin? Thure von Uexküll verstand darunter ein Gesamtkonzept der Heilkunde. Diese Heilkunde braucht – um praktisch erfolgreich und zufriedenstellend sein zu können – zuallererst ein erweitertes theoretisches Konzept, das über das allgegenwärtige biomechanische Modell hinausgeht. Der Workshop vermittelt einen Einblick in die theoretischen Grundüberlegungen Thure von Uexkülls.

WS13

Die Wirkung konkreter politischer Entscheidung geht über Gefühle und weniger über Rationalität - das Unbewusste der Gesundheitspolitik
Ellis Huber

Wie funktioniert Politik und was ist das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren? Depressionen, Ängste, hoher Blutdruck oder Rückenschmerzen artikulieren Zustände des sozialen Bindegewebes. "Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen." Diese „Wegweisung“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Ottawa Charta fordert eine Heilkunde für soziale Beziehungen. Wie können wir „politische Krankheiten“ überwinden und gesündere Lebenswelten stärken?

 

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